2. Februar 2017

Harry Potter und die schlimmste Fortsetzung aller Zeiten (Spoiler!)

Ungefähr jeder Mensch weiß, wer oder was Harry Potter ist. Man kam einfach nicht drumherum. Egal ob Bücher oder Filme, J.K. Rowlings Werk hat die Welt erschüttert und irgendwie jeden erreicht.
Als Kind habe ich die Bücher verschlungen. Als Erwachsener - der (hoffentlich) einiges seit diesen Tagen dazu gelernt hat - stehe ich ihnen und vor allem der Handlung tatsächlich etwas kritischer gegenüber. Trotzdem mag ich die von Rowling geschaffene magische Welt mit all ihren Details gern.
Natürlich musste ich also auch Harry Potter and the Cursed Child lesen.
Das Ding war: Ich habe im Vorfeld so viel Schlechtes gehört, dass ich schlichtweg für dieses Buch kein Geld ausgeben wollte. Und, wenn ich ehrlich bin, bin ich sehr froh, dass ich es mir leihen konnte.

Ich bin ganz ehrlich: Diese Fortsetzung ist genau der Grund, warum ich mir damals SO SEHR gewünscht habe, dass Harry im siebten Teil stirbt. Ich habe anscheinend geahnt, dass alles, was anschließend mit ihm und seinen Kindern zu tun hat, einfach nur unterirdisch sein kann. Da das Buch aus dem Theaterstück besteht und natürlich nur Gesprochenes und Regieanweisungen enthält, kann ich mich nicht mal etwas Positives über die Sprache oder über Umschreibungen und Stilmittel verlieren. Es ist einfach grottig.


Ganz ehrlich? Das einzig Gute, was aus der ganzen Fortsetzung hervor gegangen ist, ist eine schwarze Hermine #RepresentationMatters. Alles andere sollte man einfach schweigend verbrennen und so tun als würde es gar nicht existieren.
Wäre ich J.K. Rowling, so würde ich mich jeden Abend vor lauter Scham in den Schlaf weinen und könnte keinem Menschen mehr in die Augen sehen, der mir erzählt hat, dass er auch nur den Namen dieses Werkes gehört hat.

Als ich in den großen Weiten des Internets darüber las, dass es eine Zeitreise gibt, hätte ich am liebsten schon angefangen zu weinen. Wirklich. Ganz ernsthaft. Zeitreisegeschichten gehen fast nie gut. Außer, es ist Doctor Who. Irgendetwas ist immer ungereimt. Oder schlicht weg Mist.

Harrys Sohn Albus - der arge Probleme mit seinem Vater hat, reist also aus fadenscheinigen und mir nicht ganz ersichtlichen Gründen zurück in die Vergangenheit mit einem Superzeitumkehrer, der aus dem Nichts erschienen ist. Mit seinem besten Freund Scorpius Malfoy, über welchen es fiese Gerüchte gibt. Um Cedric Diggory zu retten. Das klappt beim ersten Mal nicht, stattdessen wird er sehr verletzt. Was schließt man also daraus? Hey. Lass uns noch mal zurück reisen. Wunderbare Idee, denn das vermasseln die beiden natürlich auch. Was macht man also im Anschluss? Noch mal zurückreisen, weil die ersten beiden Male ja schon so unfassbar gut gelaufen sind. Absolut dämlich. So dämlich ist doch nun ernsthaft niemand. Nicht mal als Teenager. Spätestens beim zweiten fehlgeschlagenen Versuch hört man doch auf und sucht sich Hilfe (bei Erwachsenen).
Jedenfalls geht das alles schief, zwischendurch werden reichlich Existenzen und Beziehungen zwischen Leuten ausgelöscht. Albus schafft es sogar sich selbst auszulöschen und Scorpius muss dann mit Hilfe von Snape (stellt euch hier bitte ein Würgegeräusch vor) die Welt retten.
Begleitet werden die beiden idiotischen Teenager natürlich die ganze Zeit von Voldemorts Tochter höchstpersönlich, die sich als Cousine von Cedric ausgegeben hat. Nachdem diese von irgendeiner bescheuerten Prophezeiung erzählt, die natürlich selbst die allerhöchsten Zaubereiministeriumsbeamten nicht kennen, versucht diese dann nicht nur einfach Harry zu töten, sondern natürlich ihren Vater zu retten.
Dazu müssen wir natürlich noch mal zurück zu dem Abend, an dem Lily und James starben - als hätten nicht alle schon genug traumatische Dinge erlebt.
Am Ende ist aber natürlich alles toll, alle haben sich lieb, sogar Harry und Albus, und alle sind mit einem Schrecken davon gekommen.

Klingt absurd? Ist es auch.
Schon während man es liest, fragt man sich, welcher Grundschüler sich diese Fanfiction ausgedacht hat. Dies hat nichts vom feinen Fädenspinnen, welches Rowling in der ursprünglichen Reihe an den Tag gelegt hat. Es ist brachial und unsinnig.
So unsinnig, dass ich das Buch - welches ich sonst sicherlich in wenigen Stunden verschlungen hätte, da es nicht viel Text hat - zwischendurch weg legen musste, weil ich Kopfschmerzen bekommen habe. Ich war schlicht weg körperlich nicht in der Lage dazu, dieses Buch wieder in die Hand zu nehmen, weil ich mich so aufregen musste.
Hat man jedoch einmal angefangen, will man natürlich wissen, wie dieser Nonsens weitergeht. Ich habe mich also tapfer bis zum Ende durchgequält. Schokolade hilft vielleicht gegen Dementoren, da sie die Seele wärmt, aber nichts konnte meine Seele vor dieser schlechten Geschichte retten.
Ich glaube, nachdem ich dieses Buch weggelegt habe, ist - ohne übertreiben zu wollen - ein Teil von mir gestorben.

Es wirkte wirklich so, als ob J.K. Rowling unbedingt noch mal alle Charaktere einbauen musste, die Fans mochten. So, als müsste sie rechtfertigen, dass all diese Charaktere gestorben sind oder die Beziehungen eingegangen sind, die sie nun mal haben. Sonst würde ja was ganz Böses passieren und Voldemort gewinnen.

Wären wenigstens die Charaktere glaubhaft gewesen! Stattdessen kam kein einziger Funke Vertrautheit auf. Ich habe keinen einzigen Charakter wieder erkannt. Und ich muss sagen: Ich habe eine beste Freundin, die Harry Potter absolut verfallen ist, und bei Band eins wieder anfängt, wenn sie Band sieben aus den Händen legt, und einen Freund, der sich jedes Jahr mindestens einmal alle Hörbücher anhört.
Ich bin also quasi von Harry Potter umgeben. Nonstop.

Harry an sich ist der Schlimmste von allen. Davon ab, dass ich es absolut nicht nachvollziehen kann, wie er mit der Einstellung, wie er an seine Arbeit geht, so ein hoher Auror werden konnte, ist er auch noch ein schlechter Vater. Und ich meine nicht, dass er viel arbeitet und selten Zuhause ist. Er ist schlichtweg ein absolut grottiger Vater, der sich nicht genug Mühe gibt, all seine Kinder zu verstehen und zu lieben. Und das schiebt er darauf, dass er selbst seinen Vater nicht kannte.
Es ist ja nicht so, als hätte er in Hagrid, in Sirius, in Remus, oder in Mr.Weasly wunderbare Vorbilder und Vaterfiguren gehabt. Ich gehe so weit und behaupte, sogar Lucius Malfoy ist ein besserer Vater gewesen, als Harry. Der hat sich wenigstens um seinen Sohn gekümmert, ihn immer in seinen Absichten gehabt und ihn so sehr geliebt, dass er im Kampf um Hogwarts los rannte - ohne Zauberstarb - um Draco zu suchen (dass der Mann ansonsten fehlgeleitet war, darüber müssen wir nicht diskutieren). Denn Harry sagt seinem Sohn gerade aus ins Gesicht, dass er sich wünschte, nicht dessen Vater zu sein. Starke Leistung, Harry.
Natürlich muss Harry noch all seine Probleme mit Dumbledore klären, in dem er mit einem Portrait diskutiert. Wäre ja ansonsten auch zu einfach gewesen, einen toten Charakter tot zu lasse und nicht noch mal auftauchen zu lassen.

Auch Ginny regt mich auf. Wo ist der kluge Rotschopf, der Rita Kimmkorn an der Nase herumgeführt hat? Das Mädchen, dass sich für ihre Freunde eingesetzt hat. Dem es egal war, was andere über diese gesagt haben, obwohl sie beliebt war? Das Mädchen, das Jungs im Quidditch abzieht und im kämpfen nicht hinten an steht?
Anscheinend weg. Stattdessen vertraut sie ganz doll darauf, dass Harry das schon alles regeln wird mit Albus. Sie weiß ja in ihrem Inneren, dass die beiden sich lieben.
Ehm. Ja. Genau. Einfach nicht eingreifen und nutzlos sein. Ganz typisch für Ginny.

Malfoy war immerhin liebevoll gegenüber seines Sohnes. Ansonsten.... war auch er nur dafür da, um alte Kamellen aufzuwärmen. Um zu sagen, dass er ja sooo gerne mit Harry und den anderen befreundet gewesen wäre. Schnüff.
Immerhin kümmert er sich anständig um seinen Sohn.

Aber hey, Ron und Hermine waren nicht viel besser.
Hermine war ein versessenes Arbeitstier. Und klar, jetzt mag man argumentieren, dass sie immer strebsam war. Aber Hermine ist mehr verheiratet mit ihrer Arbeit und ihrem Posten als Zaubereiministerin, als mit Ron. Die Beziehug der beiden ist absolut lieblos beschrieben und generell wirkt sie nur herrisch. Nichts mehr von dem Mädchen über, dass sich so sehr um ihre Eltern sorgte, dass sie diese verhext und auf eine Reise geschickt hat und unter ihrer Abwesenheit litt. Stattdessen einfach eine überarbeitete Ziege, die rumkeift.
Das alternative Universum, in dem sie Lehrerin war, war ebenfalls grandios. Dort war sie gemein, zog Schülern ohne Grund Punkte ab und war schlichtweg gehässig.... weil sie Ron nicht bekommen hat und dieser jemand anderes geheiratet hat. Ah, ja. Hermine Granger hatte natürlich niemals etwas besseres zu tun, als wegen Jungs verbittert zu sein und so zu werden. Klar.
Nur in der Welt, in der Voldemort an der Macht war und sie Anführerin der Rebellen, hat man einen Funken von ihr gespürt. Einen zu abgehärteten, harten Funken. Aber immerhin etwas.

Ron war einfach nur eine Witzfigur. Das meine ich komplett ernst. Der Junge, der (zumindest in den Büchern) absolut loyal war und stets an der Seite seiner Freunde stand und kämpfte.... hat einfach schlechte Witze gemacht und war nur für Slapstick da. Ich kann nicht mal besonders viel zu ihm sagen, da er in dieser Geschichte einfach so substanzlos war.
Nur in der Rebellenversion gab es einen Funken Ron, als er bei Hermine blieb, um sich den Dementoren zu stellen. Loyal, wie sonst auch.

Ihre Kinder haben sie im Übrigen auch absolut verkackt.
Tut mir leid, Rose ist ein Biest. Von Hugo bekommen wir nicht viel mit, aber Rose ist wirklich schlimm. Möchte nicht mal mit Scorpius reden, weil es Gerüchte um ihn gibt und er ein Malfoy ist und kündigt dann die Freundschaft zu ihrem Cousin Albus und redet nicht mal mehr mit diesem, weil die beiden Jungs sich anfreunden.
Klar. Ich bin mir sicher, dass ist das, was Molly Weasly auf keinen Fall an Weihnachten bemerkt, wenn jeder seinen gestrickten Pulli auspackt. Molly Weasly, die sich um jeden kümmert und spürt, wenn es wem nicht gut geht und diese Person eine Umarmung braucht, merkt nicht ,dass ihre Enkelkinder - die im selben Jahrgang sind! - nicht miteinander reden und auf ein mal von besten Freunden zu Fremden werden. Absolut glaubhaft.

Snape hingegen war absolut überzogen gut dargestellt. Der Mann, der Kinder gemobbt hat, ohne wirklichen Grund (und "buhu, ich hab die Frau, die ich auf einer absolut widerliche, kranke Art geliebt habe tot gefunden" zählt nicht als Grund, um Kinder fertig zu machen!), ist hier natürlich sofort dabei, um Scorpius zu helfen. Hat natürlich für Rons und Hermines Sicherheit gesorgt. Und sich für alle geopfert. Obwohl er wusste, dass er in der "richtigen" Version aller Ereignisse nicht mehr am Leben sein wird (hier weitere Würgegeräusche vorstellen, bitte).

Der einzige alte Charakter, der absolut glaubhaft war, war.... Umbridge. 
Dolores Umbridge war hassenswert wie immer und somit der einzig gut dargestellte Charakter.

Aber auch die neuen Charaktere waren nicht viel besser.

Albus war einfach ein nerviges, weinerliches Etwas. Buhu, ich bin ein Slytherin und deswegen ein schlechter Mensch und habe meinen Vater und die ganze Welt enttäuscht.... obwohl mein Vater mir direkt am Anfang der Story (beziehungsweise am Ende des siebten Buches) noch gesagt hat, dass es nicht schlecht ist, ein Slytherin zu sein. Klar, Pubertät ist schwer. Aber Albus und seine Gedanken nachzuvollziehen, sind noch schwerer. Dieser Junge beinhaltet so viel Weltschmerz, dass niemand anderes mehr leiden muss. Und zeitgleich igelt er sich ein, geht nicht mal auf Annäherungsversuche Harrys ein, vertraut dafür blind Delphi und reist durch die Zeit, um jemanden zu retten, zu dem er keinerlei Verbindung hat, um jemanden damit glücklich zu machen, zudem er ebenfalls keine Verbindung hat. Aber jemand (aka Voldemort) hat gesagt, Cedric sei ja überflüssig gewesen. Und so würde er sich auch fühlen. Buhuhuhuhu.
Ernsthaft. Albus hat einfach nur genervt. Ich war fast froh, als Scorpius in der alternativen Realität war, in welcher Albus nicht existiert hat, damit man wenigstens ein paar Seiten Ruhe vor seinem Gejammer hat. 

Delphi war platt. Man hat von Anfang an gemerkt, das etwas an ihr nicht richtig ist. Aber sie wurde - trotz der wenigen Regieanweisungen - übersexualisiert dargstellt und hat ihre Reize eingesetzt, um Albus dazu zu bekommen die Prophezeiung umzusetzen. Dabei verstrickt sie sich in lauter Widersprüche. Und ist natürlich eine ganz, ganz mächtige Magierin.... mit Vaterkomplexen. Statt selbst eine dunkel Zauberin zu werden und Leute zu unterjochen, muss sie natürlich ihren Vater wiederbeleben. Brr. 

Der einzige Sonnenschein und liebenswerte Character in diesem Buch war Scorpius. Von Anfang kann kann man nicht anders und hat ihn lieb. Er gibt sich Mühe Freunde zu finden, trotz der Gerüchte, dass er Voldemorts Sohn sei. Er hält sofort zu Albus, als dieser nach ihm in Slytherin einsortiert wird, weil sie im Zug Freundschaft schlossen, obwohl ihn das unbeliebt bei den anderen Slytherinschülern macht.
Sofort springt er mit durch die Zeit, um seinen Freund nicht im Stich zu lassen, obwohl er von Anfang an merkt, dass das keine gute Idee ist. Und, auch, dass es keine gute Idee ist es NOCHMAL zu tun, nachdem sie das erste mal versiebt haben. Auch lässt er sich nicht einfach von Delphis sexuellen Reizen blenden..... und ist in der Lage, sich Hilfe zu holen. Von echten Erwachsenen, nicht von Delphi. Sondern von Snape und Hermine und Ron. Kluger Junge.

Alles in allem war dieses Buch, dieses Stück, diese Fortsetzung verschwendete Lebenszeit.
Ich bin froh, dass ich kein Geld für dieses Buch ausgeben musste, aber hätte trotzdem gerne die (wenigen) Stunden zurück, die ich dafür geopfert habe, es zu lesen.
Ich hätte freudigere Dinge tun können. Und Sinnvollere. Wie Sockenzusammenrollen oder die Raufasertapete anstarren.
Dieses Buch bekommt nicht nur eine Entfehlung. Ich würde sogar empfehlen, mindestens fünf Meter Abstand zwischen sich und dieses Ding zu bringen, damit man ja nicht in Versuchung kommt, damit wertvolle Lebenszeit zu verschwenden und auch nur drei Buchstaben davon zu lesen.


Habt ihr es euch auch angetan?
Fandet ihr es auch so schlimm?


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